Ist-Stand analysieren

Wo steht unsere Schule aktuell? Welche Stärken und welche Schwächen gibt es – aus der Sicht von Lehrkräften, von Schülerinnen und Schülern und von Eltern? Um diese Fragen fundiert beantworten zu können, bedarf es einer Ist-Analyse. Mit Hilfe der Organisationsdiagnose werden der Veränderungsbedarf an einer Schule erhoben und Entwicklungsziele abgeleitet. Sie stellt auch Grundlage für die spätere Prozess- und Ergebnisevaluation dar. Vor der Befragung sollte geklärt sein, wie mit den Ergebnissen der Befragung verfahren wird, so dass die Befragung „Daten für Taten“ liefert. Aus den Ergebnissen sollten sich Ziele und Strategien zur Förderung der individuellen Gesundheit sowie zur Verbesserung der Schulorganisation oder der schulischen Rahmenbedingungen ableiten lassen.

Die individuelle Gesundheit wird sowohl vom persönlichen Verhalten als auch von einer Vielzahl äußerer Faktoren beeinflusst. Daher erfasst ein gutes Befragungsinstrument sowohl die persönlichen Ressourcen und Anforderungen der Personen als auch die Ressourcen und Belastungen, die sich aus den Arbeits- und Lernbedingungen an der Schule ergeben. Aus den Befragungsergebnissen lassen sich dann gezielt Maßnahmen auf der individuellen Ebene (Verhaltensprävention) oder auf der organisationalen Ebene (Verhältnisprävention) ableiten.

Modell eines Qualitätsrahmens für Schulentwicklung

 

Erfassung des Verhaltens und der Verhältnisse

1) Wie steht es um die gesundheitsrelevanten Anforderungen und Ressourcen der Schulbeteiligten? Die Datenerhebung sollte Aussagen ermöglichen über Qualitätsdimensionen, aus denen sich Strategien der Verhaltensprävention ableiten lassen:

  • Risikoverhalten und Gesundheitsverhalten der Schülerinnen und Schüler, z.B. Alkoholkonsum, Ernährungsgewohnheiten, körperliche Aktivität, Stressbewältigungskompetenz, Prüfungsangst und Leistungsdruck
  • Ressourcen und Belastungen der Lehrkräfte, z.B. berufliche Verausgabung, Selbstwirksamkeit, Optimismus, Distanzierungsfähigkeit, Erholungsfähigkeit

2) Wie gut und gesund ist Ihre Schule? Die Datenerhebung sollte Aussagen ermöglichen über Qualitätsdimensionen, aus denen sich Strategien der Verhältnisprävention ableiten:

  • Räumliche Bedingungen und Ausstattung, z.B. Lärmbelastung, Verfügbarkeit und Zustand von Lehrmaterialien
  • Arbeitsbedingungen, z.B. Zeitdruck, Unterrichtsstörungen, Arbeitsorganisation
  • Kooperation und Zusammenarbeit der Lehrkräfte, z.B. Unterrichtsvorbereitungen, Fachkonferenzen, kollegiales Feedback
  • Schulführung und Management, z.B. Mitarbeiterorientierung der Führung, Fort- und Weiterbildung, Informationsfluss
  • Schulkultur und Schulklima, z.B. Möglichkeiten der Mitbestimmung, Mobbing und Gewalt, Identifikation mit der Schule

Durchführung der Befragung

Schulen können mittlerweile aus einer Vielzahl von Befragungsinstrumenten auswählen. Bei der Entscheidung für ein Instrument sollten Sie beachten:

  • Onlineversionen bevorzugen: Sie sind ökonomischer und liefern in der Regel die Auswertung gleich mit.
  • Beim Kultusministerium nachfragen: Viele Ministerien kooperieren mit gängigen Anbietern und stellen die Instrumente den Schulen kostenlos zur Verfügung.
  • Daten für Taten: Die Ergebnisse sollten sich dafür eignen, Ziele und Maßnahmen abzuleiten.
  • Screeningbefragung: Ein Screening ist eine Kurzbefragung, mit der erste grobe Aussagen zu den Qualitätsdimensionen möglich sind. In einem zweiten Schritt können vertiefende Diagnoseinstrumente zu den Bereichen eingesetzt werden, die als Problembereiche identifiziert wurden. Dadurch wird vermieden, dass zu viele Daten erhoben werden, die dann nicht genutzt werden können und obendrein zu einer Befragungsmüdigkeit führen können.
  • Externe Unterstützung suchen: Es erleichtert die Datenerfassung, -aufbereitung und -rückmeldung, wenn Sie sich Unterstützung von Schulentwicklern oder Wissenschaftlern suchen.

Vier Fragen vor der Befragung:

1. Wer soll befragt werden?

Je nach Zielsetzung ist es notwendig, verschiedene Personengruppen zu befragen: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern und ggf. weitere Personengruppen.

2. Wie groß soll die Stichprobe werden?

Eine Befragung aller Schülerinnen und Schüler ist i.d.R. nicht möglich, sondern es muss eine Stichprobe ausgewählt werden. Bewährt hat sich die Kompletterhebung einiger ausgewählter Jahrgänge.

3. Wer muss die Befragung genehmigen?

Bei der Schulaufsicht können sich Schulen vorab Informationen über den Genehmigungsprozess einholen. Selbstverantwortliche Schulen können Fragebögen zum Zwecke der Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung oft eigenständig einsetzen.

Bei minderjährigen Schülerinnen und Schülern ist immer die Zustimmung der Eltern einzuholen --> Vorlaufzeit einplanen!

4. Welche Datenschutzbestimmungen sind zu beachten?

Befragungen müssen stets freiwillig sein. Die Anonymität der Daten muss sichergestellt sein.

Vorgehen in der DAK-Initiative:

Die Befragung in der DAK-Initiative erfolgt schriftlich und ist freiwillig und anonym. Alle Lehrer und das nicht unterrichtende Schulpersonal sowie eine Auswahl von Schülern und Eltern erhalten einen Fragebogen und tragen durch ihre Einschätzung zur Erfassung des Ist-Zustandes bei.

Die Fragebögen erfassen ausgewählte Aspekte des eigenen Gesundheitsverhaltens und des gesundheitlichen Befindens. Zudem werden Einschätzungen zu verschiedenen Aspekten von Schulqualität abgefragt, die Zusammenhänge mit der Gesundheit von Schülern und/ oder Lehrern aufweisen.

Mit der Befragung soll aus Sicht der Einzelpersonen erhoben werden, wo die Schule zu Projektbeginn steht und welche Stärken und Entwicklungsbereiche aus Schüler-, Lehrer- und Elternsicht resultieren.

Für die Befragung der DAK-Initiative wird ein Zeitfenster von einem Monat festgelegt.